Den gut 3.200 Jugendlichen, die sich auf der Suche nach einer Ausbildung bei den Beratungsfachkräften in den Arbeitsagenturen Buchholz, Lüchow, Lüneburg, Uelzen und Winsen meldeten, standen mehr als 3.000 Ausbildungsstellen gegenüber. „Bei rückläufigen Bewerberzahlen und gleichzeitig steigenden Ausbildungsangeboten entwickelte sich auch in Pandemiezeiten der Ausbildungsmarkt zunehmend zu einem Bewerbermarkt auf dem Unternehmen um Jugendliche werben“, hebt die Ausbildungsmarktexpertin hervor.

Auch wenn rein rechnerisch Angebot und Nachfrag sich weiter annähern, passen die Berufswünsche der Jugendlichen und gemeldeten Ausbildungsstellen nicht wie eine Schablone übereinander. Zudem macht der Ausbildungsmarkt nicht an Landkreisgrenzen halt. So bündelten Ausbildungsexperten von Berufsberatung und Arbeitgeber-Service der Agenturen für Arbeit gemeinsam mit den Kammern im „Sommer der Berufsausbildung“ ihre Aktivitäten und arbeiteten weiter daran, Stellen zu besetzen und Jugendlichen Angebote zu unterbreiten. Mit Stand Ende September wurden noch gut 190 unversorgte Bewerber und mehr als 90 unbesetzte Ausbildungsstellen gezählt. „Wir sind weiter mit Ausbildungsplatzsuchenden und Unternehmen im Gespräch und unterbreiten Angebote“, so Kuechler-Kakoschke. Gleichzeitig appelliert sie an Schülerinnen und Schüler im letzten Schuljahr, sich rechtzeitig zu melden. „Für sie und natürlich auch für ausbildende Betriebe ist es ratsam, heute schon an morgen zu denken und die Ausbildungsverträge für das kommende Jahr klarzumachen“, erläutert sie weiter und weist auf die Unterstützung von Berufsberatung und Arbeitgeber-Service hin.

„Die Betriebe im Handwerk bilden auch während der Corona-Pandemie mit großem Engagement aus, das zeigen unsere Zahlen. Im gesamten Kammerbezirk hatten wir Ende September 4.313 neue Ausbildungsverträge zu verzeichnen. Das sind rund vier Prozent mehr als im Vorjahr. In der Region Lüneburg liegen wir mit 1.359 neuen Ausbildungsverträgen sogar fünf Prozent über dem Vorjahr“, sagt Günter Neumann, Leiter Berufsbildung bei der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade. Sowohl Stadt und Landkreis Lüneburg als auch die Landkreise Lüchow-Dannenberg und Uelzen liegen leicht im Plus, lediglich der Landkreis Harburg liegt zurzeit noch knapp unter der Vorjahreszahl. Zu dem positiven Ergebnis beigetragen habe sicherlich der „Sommer der Berufsbildung“, mit dem auch die Handwerksorganisationen als Partner der Allianz für Aus- und Weiterbildung bei jungen Menschen und Betrieben für die duale Ausbildung geworben haben.

„Die Berufsoptionen sind derzeit im Handwerk so gut wie kaum jemals zuvor. Denn der Nachwuchs wird in unseren Betrieben dringend gebraucht, um die wichtigen Zukunftsaufgaben umzusetzen wie die Erreichung der Klimaziele oder die Elektromobilität. Außerdem bietet das Handwerk eine hohe Arbeitsplatzsicherheit und Karrieren mit Perspektive. Das bestätigt auch die OECD in ihrem aktuellen Bildungsbericht. Eine Ausbildung im Handwerk ist also auch jetzt noch eine gute Wahl, denn ihr Beginn ist jederzeit möglich.“ Aber auch nach dem „Sommer der Berufsbildung“ müsse der Ausbildungsmarkt weiter stabilisiert werden, damit sich die Folgen der Pandemie nicht langfristig auf die Zahl der Ausbildungsverträge auswirken. „Um die berufliche Bildung zu stärken, gilt es, die Berufsorientierung systematisch auszubauen, allgemeinbildende Schulen besser mit Handwerkskammern und Innungen zu vernetzen, Schulabsolventen und Auszubildende zu fördern sowie die Ausbildungsbetriebe zu unterstützen“, sagt Neumann.

Für die kommenden Monate ist es aus Sicht von Sönke Feldhusen, Ausbildungsexperte und stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW), wichtig, Berufsorientierungsangebote und das Angebot von Praktika auszubauen und die Attraktivität der beruflichen Ausbildung noch mehr ins Rampenlicht zu stellen: „Viele Betriebe investieren heute mehr denn je in attraktive Ausbildungsangebote und Arbeitsbedingungen. Dazu zählen neben angemessenen Löhnen eine wertschätzende Unternehmenskultur, Benefits und Sozialleistungen für Mitarbeitende und klare Perspektiven für Karriere und Fortbildung“, sagt Feldhusen. „Mit Blick auf den sich wieder verschärfenden Fachkräftemangel bedeutet jeder Ausbildungsvertrag eine große Chance. Das gilt für Unternehmen, die Fachkräfte früh und langfristig an sich binden können. Und das gilt für junge Menschen, die sich dicht an der Praxis und dennoch auf hohem Niveau qualifizieren wollen.“ Ausbildungsbetrieben rät Feldhusen, möglichst früh den Kontakt zu potenziellen Auszubildenden zu suchen: „Unsere IHKLW bietet dafür eine Reihe von Angeboten an der Schnittstelle von Schule und Wirtschaft.“ So können Unternehmen Azubis als Ausbildungsbotschafter in Schulen entsenden, junge Fachkräfte informieren im IHKLW-Projekt Karrierebotschafter Eltern in Kooperation mit Agenturberatern über Karrierewege mit einer Ausbildung.

Gemeinsam mit weiteren niedersächsischen IHKs und der Handwerkskammer stellt die IHKLW über die Online-Ausbildungskampagne Moin Future jungen Menschen auf Instagram regionale Ausbildungsbetriebe und -berufe vor. Feldhusen betont: „Gerade in den besonders betroffenen Branchen wird es darüber hinaus wichtig, neue Zielgruppen zu adressieren – Menschen mit Migrationshintergrund und ausländische Fachkräfte, die es zu rekrutieren, zu qualifizieren und zu binden gilt. Dabei helfen Instrumente wie Teilqualifikationen oder eine Verlängerung von Ausbildungen durch Teilzeitgestaltung mit begleitendem Sprach- und Förderunterricht.“ An junge Menschen, die noch eine Perspektive suchen, appelliert er: „Auch ein später Einstieg in die Ausbildung ist noch möglich. Die Arbeitsagentur und Kammern unterstützen gern bei der Suche nach geeigneten Plätzen.“

Zum 30. September verzeichnet die IHKLW im gesamten Bezirk 3.534 neue Ausbildungsverträge in IHK-Berufen. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein leichtes Minus von 0,9 Prozent. Im Landkreis Harburg sind es 529 neue Ausbildungsverträge – ein Prozent mehr als im Vorjahr. Im Landkreis Lüneburg ergibt sich im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 4,9 Prozent, insgesamt wurden dort in IHK-Berufen 562 Verträge neu abgeschlossen. Im Landkreis Lüchow-Dannenberg verzeichnet die IHKLW 115 neue Ausbildungsverträge, das sind absolut sieben Neuverträge weniger als 2020, prozentual beträgt das Minus 5,7 Prozent. Noch deutlicher ist der Rückgang mit neun Prozent im Landkreis Uelzen, dort wurden 278 Verträge bis Ende September neu abgeschlossen.

TOP 10 der gemeldeten AusbildungsstellenTOP 10 der Berufswünsche   
Kaufmann/-frau im Einzelhandel (103)Verkäufer/in (71)
Kaufmann/-frau - Büromanagement (66)Kaufmann/-frau im Einzelhandel (64)
Zahnmedizinische/r Fachangestellte/r (44)Kfz-Mechatroniker/in - PKW-Technik (57)
Verkäufer/in (42)Kaufmann/-frau - Büromanagement (54)
Kfz-Mechatroniker/in - PKW-Technik (37)Tischler/in (37)
Kaufmann - Groß-/Außenhandel (36)Medizinische/r Fachangestellte/r (35)
Industriekaufmann/-frau (27)Fachinformatiker/in-Anwendungsentwicklung
(34)
Fachkraft Lagerlogistik (25)(70)Friseur/in (32)(72)
Medizinische/r Fachangestellte/r (25)Fachinformatiker/in - Systemintegration (28)
Fachverkäufer/in - Lebensmittelhandwerk -
Bäckerei (23)
Automobilkaufmann/-frau (28)

Kontaktdaten:

Agentur für Arbeit
An den Reeperbahnen 2
21335 Lüneburg

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