Dass Herr S. bei geselligen Anlässen gerne mal mehr trinkt, als angemessen wäre, ist den Kollegen längst aufgefallen. Auch, dass er häufiger mit einer Alkoholfahne zum Dienst erscheint, fahrig und unkonzentriert wirkt, immer wieder den Arbeitsplatz verlässt, und sich oft krank meldet. „Arbeitnehmer mit Suchtproblemen schädigen nicht nur die eigene Gesundheit, sie verursachen durch Leistungsminderung und hohe Fehlzeiten auch beträchtliche Kosten, beeinträchtigen den Zusammenhalt im Team und stellen wegen des erhöhten Unfallrisikos häufig eine Gefährdung für alle dar“, benennt Martin Schwickrath, Arbeitsrechtler beim Arbeitgeberverband Lüneburg-Nordostniedersachsen, die Problematik bei einer Suchterkrankung. Auf der anderen Seite fordert die Rechtsprechung, dass der Arbeitgeber aufgrund seiner Fürsorgepflicht dem Arbeitnehmer zunächst einmal die Möglichkeit einräumt, erfolgreich von seiner Sucht loszukommen.

In dem Seminar „Der Umgang mit suchtmittelauffälligen Mitarbeitern“ informiert der Jurist gemeinsam mit Wiebke Krohn, Arbeitgeberberaterin für Personalentwicklung des Verbandes, über Regularien und Lösungsmöglichkeiten, um einem Mitarbeiter den Weg in ein suchtmittelfreies Leben zu ermöglichen. „Wer abhängig ist, braucht Perspektiven“, so Schwickrath. Grundsätzlich sollte die Intention im Vordergrund stehen, die wertvolle Arbeitskraft eines Mitarbeiters wiederherzustellen. Es gilt, dem Betroffenen Unterstützung anzubieten und die Möglichkeit zu schaffen, mit professioneller Hilfe von der Sucht loszukommen. “Die Grundlage bildet häufig eine schriftliche Vereinbarung mit der Option, den Arbeitsplatz zu erhalten. Im Gegenzug muss sich der Arbeitnehmer dazu verpflichten, Nachweise über den erfolgreichen Therapieverlauf zu erbringen und sich regelmäßigen Kontrollen zu unterziehen. Wird ein Teil der Vereinbarungen nicht eingehalten, kann dies unter Umständen zu einer Beendigung des Arbeitsverhältnisses führen.“
Parallel zu den juristischen Instrumenten setzt Wiebke Krohn ihren Fokus auf das Mitarbeitergespräch. „Wie thematisiere ich die Sucht? Welche Formulierungen wähle ich? Für viele Arbeitgeber stellt der erste Schritt eine große Hürde dar“, weiß die Dipl. Ökonomin aus Erfahrung. „Eine Moralpredigt oder Anschuldigungen sind hier fehl am Platz.“ Stattdessen ist eine sensible Vorgehensweise gefragt, die den Betroffenen motiviert, sich seiner Krankheit zu stellen.“

Seminar: Der Umgang mit suchtmittelauffälligen Mitarbeitern
Veranstalter: Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft in Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeberverband Lüneburg-Nordostniedersachsen e.V.
24. März 2020, 9.00 – 17.00 Uhr
IHK Lüneburg-Wolfsburg, Am Sande 1, 21335 Lüneburg

Eine Anfrage für die Teilnahme ist bis zum 10. März 2020 unter  arbeitgeberverbandlueneburg.de/veranstaltungen-seminare möglich.

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