Doch vor dem Wählerauftrag hat der 70-Jährige großen Respekt – und die Wähler wollen ihn. Man könnte sich auch keinen Besseren vorstellen als luxemburgischen Außenminister, den dienstältesten in der Europäischen Union, der sich professionell und empathisch für die Belange der Menschen einsetzt und als Mitglied des EU-Außenministerrates an aktuellen Themen der EU beteiligt ist.
Punkt eins auf seiner Agenda: das unermüdliche Engagement für den Zusammenhalt in Europa. Deutlich wurde dieses jetzt bei der Veranstaltung, zu der der Arbeitgeberverband Lüneburg-Nordostniedersachsen e.V. in die Ritterakademie eingeladen hatte. Rund 300 nationale sowie internationale Gäste aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung waren gekommen, um Einschätzungen und Antworten auf die Frage „Quo vadis Europa?“ von Jean Asselborn zu hören.

„Nein, nach Lüneburg sei er heute nicht mit dem Fahrrad gekommen“, erklärt der sympathische Politiker gleich zu Beginn seines Vortrages mit einem Augenzwinkern. Und von Niedersachsen kenne er bisher lediglich dessen Ministerpräsidenten Stefan Weil sowie das traditionelle Grünkohlessen, die Berührung mit dem „Heidekraut“ sei heute eine gänzlich neue Erfahrung gewesen. Von der Lüneburger Heide sowie der Stadt Lüneburg zeigt sich Jean Asselborn ganz begeistert; er zitiert das Niedersachsenlied, das sowohl Traditionsbewusstsein als auch Innovation widerspiegelt – sein Ansatz, auf die gute wirtschaftliche Zusammenarbeit Niedersachsens mit den EU-Ländern hinzuweisen, was dazu beiträgt, dass der europäischen Binnenmarkt gestärkt wird.

Tja, wohin steuert nun Europa? Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Lüneburg-Nordostniedersachsen, Volker Meyer, brachte die Brennpunkte Europas in seiner Begrüßungsrede auf den Punkt: „Nach den Wahlen zum europäischen Parlament im Mai treten jetzt die Fragen um die ungewisse Brexitlage, die Flüchtlingsdebatte, die Klimaziele sowie die transatlantischen Beziehungen wieder in den Vordergrund.“
Nur mit klaren Worten und Positionen sei Politik auch zu verstehen, man muss den Menschen die Ängste nehmen, macht Jean Asselborn deutlich. Dass diese Botschaft bei der vergangenen Wahl zum Europäischen Parlament angekommen ist, zeigt das schlechte Abschneiden rechtspopulistischer Parteien: „Die Bürger haben gezeigt, dass sie mündig sind und man ihr Verständnis nicht unterschätzen darf“, so der Außenminister. Europa sei das größte Friedensprojekt des 20. Jahrhunderts und es sei die Pflicht, dieses Projekt auch ins 21. Jahrhundert zu tragen. Ein großer Schritt war das Schengener-Abkommen 1985, das den Grundstein für die Freiheiten des europäischen Binnenmarktes legte – im größten Wirtschaftsraum der Welt profitieren rund 500 Millionen Menschen davon, auch die Niedersachsen.

Eine Kernherausforderung für die Menschen in der EU ist die Flüchtlingsfrage, die nicht von der Kommission, sondern nur von den Mitgliedsstaaten gelöst werden kann. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch, Asselborn hatte im September 2016 in der gesamten Europäischen Union mit seiner Äußerung für Aufsehen gesorgt, Ungarn behandele Flüchtlinge fast schlimmer als Tiere, weshalb das Land aus der EU ausgeschlossen werden sollte. „Unsere moralische und rechtsstaatliche Verpflichtung ist es dafür zu sorgen, dass keine Menschen mehr im Mittelmeer ertrinken“, macht Jean Asselborn vor den Gästen deutlich. Für ihn ist die Achtung der Menschenrechte Basis dafür, das Europa seine Werte verteidigt. Nicht verhandelbare Grundpfeiler der EU sind nach wie vor die Freiheit der Presse, der Justiz sowie die Gewaltentrennung.
Ein „schmerzliches“ Beispiel dafür, dass eine Einigung der EU-Mitgliedsstaaten keine Selbstverständlichkeit ist, ist der Brexit. Der ,,No-Deal-Brexit“, der sowohl Großbritannien als auch die anderen EU-Länder vor immense Probleme stellen würde, ist jetzt vom britischen Parlament gestoppt worden, aber die Hoffnung von Jean Asselborn auf Neuwahlen hat sich bisher nicht erfüllt: „Auch ein weicher, geordneter Austritt Großbritanniens bedeutet negative Konsequenzen, auch für Niedersachsen“, sagt Jean Asselborn. Tausende Arbeitsplätze in Auto- und Fleischindustrie sowie der Fischerei sind betroffen.

In der abschließenden Podiumsdiskussion, bei der sich die Gäste in der Ritterakademie intensiv beteiligten, und die vom Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Lüneburg-Nordostniedersachsen, Bernd Wiechel, geleitet wurde, machte Jean Asselborn deutlich, dass die USA für die EU nach wie vor ein unverzichtbarer Handelspartner ist.

Und natürlich müsse weiter festgehalten werden am Pariser Klimaabkommen, die Folgen des Klimawandels seien weltweit spürbar. „Der Abend mit Ihnen hat Hoffnung gemacht“, resümiert Bernd Wiechel. Politiker wie Jean Asselborn sind von unschätzbarem Wert, weil sie den Menschen Antrieb geben, Lösungen zu finden.

Vor über 300 Gästen sprach der luxemburgischer Außenminister Jean Asselborn (mitte) über die Herausforderungen der Europäischen Union. Die Gastgeber, Bern Wiechel (AV-Hauptgeschäftsführer, links) und Volker Meyer (AV-Präsident, rechts) freuen sich über das große Interesse.

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