Als Nachfolger von Heiko Westermann rückte im Mai 2019 Volker Meyer als Präsident an die Spitze des Arbeitgeberverbandes Lüneburg-Nordostniedersachsen. Für sein Amt bringt er einige Erfahrung mit: Seit drei Jahrzehnten ist er in sechster Generation Geschäftsführer des Familienunternehmens Heinrich Meyer Werke Breloh bei Munster mit 300 Mitarbeitern. 1992 wurde er Präsidiumsmitglied des Arbeitgeberverbandes und engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich in weiteren Berufsverbänden und Gremien. In seiner Funktion als Präsident des AV kündigt er an, Zukunftsthemen stärker ins Blickfeld zu rücken wie auch Kooperation voranzutreiben. Ein Netzwerker und Moderator, der zum Dialog anregt.

Herr Meyer, welche Ziele haben Sie sich für die nächsten drei Jahre gesteckt?

Volker Meyer: Neben meiner primären Aufgabe, Arbeitgeber in der Öffentlichkeit mit meiner Stimme zu vertreten, möchte ich auch jenen Bereichen des AV mehr Präsenz geben, die sich den gesellschaftlichen und unternehmerischen Herausforderungen der Zukunft widmen. Dazu gehören sowohl die Personal- und Organisationsentwicklung, das Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT, unsere Stelle für soziale Innovation, als auch ein umfangreiches Seminarangebot. In der Summe bietet dieses Portfolio einen enormen Mehrwert für unsere Mitgliedsunternehmen  und viel Potenzial für eine Weiterentwicklung des Verbandes.

Sie verstehen sich als Netzwerker, der auch den interdisziplinären Dialog befeuern möchte.

V. M.: So ist es. Wir müssen den Blick nach vorne richten. Für Zukunftsthemen, wie den Nachwuchsmangel, gilt es Lösungen zu finden, neue Wege einzuschlagen. Dies gelingt nun einmal leichter, wenn sich starke Partner zusammenschließen. Da ich neben meinem Amt als AV-Präsident auch als Vizepräsident bei der IHK und in den Unternehmerverbänden Niedersachsen aktiv bin, habe ich die Möglichkeit, einen Austausch anzuregen, Kontakte herzustellen und die Vernetzung auszubauen. Das Ziel heißt: sich als Gemeinschaft in der Politik mehr Gehör zu verschaffen.

Demnach spielen Sie neben ihren beruflichen Aufgaben auch ehrenamtlich auf einer vielseitigen Klaviatur.

V. M.: Mein vielseitiges Engagement zeigt mein Interesse, etwas bewegen zu wollen. Der Blick aus unterschiedlichen Perspektiven bietet die Möglichkeit, Zusammenhänge neu zu begreifen und daraus resultierende Erkenntnisse in die für mich relevanten Bereiche einfließen zu lassen. Ein Ehrenamt ist immer ein Geben und ein Nehmen und sollte letztendlich alle Beteiligten weiterbringen. Meine Devise heißt: Nicht stillstehen, sondern vorwärts gehen, lernen und aktiv sein.

Sie kritisieren, dass zu wenige Unternehmen aus Ihrer Region das Angebot des AV in Anspruch nehmen, welches Arbeitgeber darin unterstützt, über Kooperationen mit Schulen potenziellen Nachwuchs zu gewinnen.

V. M.: Mir ist durchaus bewusst, dass es nicht an der mangelnden Innovationsbereitschaft der Unternehmer liegt. Neben dem Tagesgeschäft bleibt oft kaum Zeit für andere Themen. Selbst die Nachwuchsrekrutierung kann dann schon einmal aus dem Blickfeld geraten. Dennoch dürfen wir nicht vergessen, dass es auch ein Morgen gibt! Die ältere Generation wird in wenigen Jahren nicht mehr verfügbar sein, der Bedarf an Fachpersonal wächst. Daher ist es so wichtig, dass es Organisationen wie den Arbeitgeberverband gibt, der Unternehmen auch hierin mit einem breiten Angebot wie dem Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT unterstützt. Diesen Servicebereich aktiv auszubauen, ist eines der Ziele, die wir verfolgen.

Ihr Unternehmen stellt an den Standorten Breloh und Bispingen Fenster, Carports und Terrassenüberdachungen her. Sie verwalten u. a. Immobilien und betreiben eine Spedition. Erleichtert Ihnen Ihr breites Dienstleistungsspektrum die Suche nach Ausbildungsnachwuchs?

V. M.: Ich bin der Meinung, dass weniger das Leistungsportfolio zählt, als der Ruf als Arbeitgeber. Vor allem dann, wenn der Standort in einer ländlich geprägten Region liegt. Es spricht sich schnell herum, ob die Auszubildenden zufrieden sind, ob eine arbeitnehmerfreundliche Unternehmenskultur gelebt wird. Ich habe mein Ohr bei den jungen Mitarbeitern unseres Betriebs, höre mir ihre Bedürfnisse und Anregungen an. Aus Erfahrung weiß ich, dass das Übernehmen von Verantwortung ein wichtiger Faktor ist. Unsere Azubis erhalten daher frühzeitig die Möglichkeit, Teilbereiche selbständig zu leiten.

Als Präsident möchten Sie auch für globale Themen sensibilisieren. Sie kritisieren beispielsweise vehement die Fokussierung auf die E-Mobilität.

V. M.: Richtig, denn auch ein solches Thema ist für Unternehmer relevant. Wie auch die Heinrich Meyer Werke arbeiten viele daran, nachhaltige Konzepte, innovative Technologien und grüne Geschäftsmodelle zu entwickeln. Wir sind aufgerufen, die Mobilität neu zu überdenken, dabei soll die E- Mobilität im Fokus stehen. Doch zeigt sich bereits heute, dass unsere derzeitigen Energieversorgungsstrukturen einer 100-prozentigen Umsetzung bei weitem nicht gewachsen sind. Bei dieser Thematik fehlt mir eindeutig der öffentliche Diskurs  sowohl seitens der Politik als auch der Medien. Wir brauchen eine alternative Lösung, um eine Mobilität der Zukunft mit Sinn und Verstand voranzutreiben. Deshalb sollten wir nicht still verharren, sondern auch hier unbequeme Fragen stellen, die dann hoffentlich zu realistischen, nachhaltigen Ergebnissen führen.

Ihr Resümee nach 100 Tagen im Amt?

V. M.: Aus meiner Verbandsarbeit wusste ich, dass im Arbeitgeberverband Lüneburg-Nordostniedersachsen eine gut funktionierende Gemeinschaft und tüchtige Leute am Werk sind. Da wird gut gearbeitet. Mein besonderer Dank gilt Hauptgeschäftsführer Bernd Wiechel und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Sie alle haben es mir leicht gemacht, Fuß zu fassen. Auf diese Weise wird es gelingen, unseren Verband auch weiterhin auf einem erfolgreichen Kurs zu halten.

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Agentur für Arbeit
An den Reeperbahnen 2
21335 Lüneburg