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Fußfessel für flexible Arbeitszeit

Ortsungebunden arbeiten zu können ist eine Errungenschaft des 21. Jahrhunderts. Immer mehr Arbeitnehmer profitieren von dieser Freiheit, sofern ihre Berufe es erlauben. Diese Flexibilität aber gerät durch das Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) vom 14. Mai 2019 ins Wanken. Arbeitgeber sollen künftig zur systematischen Erfassung der Arbeitszeiten ihrer Beschäftigten verpflichtet werden  also nicht nur der Überstunden, wie bislang üblich. Volker Meyer, Präsident des Arbeitgeberverbandes Lüneburg–Nordostniedersachsen, kritisiert den Beschluss scharf. Dieser Schritt ist nicht nur ein weiterer in Richtung Überbürokratisierung. Es werde auch übersehen, dass mit dieser Richtlinie vor allem den Mitarbeitern Fußfesseln angelegt würden.
„Gerade im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist seitens der Arbeitnehmer eine flexible Handhabung der Arbeitszeiten erwünscht. Väter und Mütter müssen die Freiheit haben, morgens die ersten im Büro zu sein, um ihren Nachwuchs rechtzeitig aus der KiTa abholen zu können. Ebenso muss es möglich sein, anschließend im Homeoffice weiter zu arbeiten.“ Dieses Urteil bedeute das Ende der bisherigen Vertrauensarbeitszeit, so der Präsident. Die Wiedereinführung der Stechuhr stehe völlig konträr zu den Bedürfnissen eines Arbeitnehmers des 21. Jahrhunderts.

Mehr als 50 % der Arbeitsplätze sind heute so genannte Wissensarbeitsplätze. Hier leisten Menschen kreative Arbeit, um innovative Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln  die Grundlage für ein wirtschaftlich prosperierendes Europa. Kreative Gedankenprozesse aber lassen sich bekanntlich nicht in ein Acht-Stunden-Raster zwängen. Absurd sei daher die Vorstellung, dass kreativ arbeitende Menschen ihre Aufgaben in einem vorgegebenen Zeitrahmen verrichten müssten, so Meyer. „Ich bin sicher, auch Bill Gates hat seine Arbeitszeit nie dokumentiert.“ Arbeitnehmer und Arbeitgeber würden mit dem Urteil in ihre traditionellen Rollen verwiesen. Aus Vertrauen werde Kontrolle, aus arbeitnehmerfreundlichen Arbeitszeiten Dienst nach Vorschrift.

Wichtige Aufgabe des Gesetzgebers sei es nun, ein objektives System zur Arbeitszeiterfassung einzurichten, das die Besonderheiten des jeweiligen Tätigkeitsbereiches berücksichtige. Die Politik könne jetzt zeigen, dass auch sie den Fortschrittsgedanken mittrage. „Statt Arbeitgeber zur Dokumentation von Arbeitszeiten zu verpflichten, muss eine moderne Arbeitszeitpolitik das Recht für jeden einzelnen Arbeitnehmer schaffen, sich innerhalb eines Arbeitsverhältnisses ein gewisses Maß an Freiheit zuzugestehen“, beschreibt Volker Meyer ein für ihn zeitgemäßes Modell.

Kontaktdaten:

Arbeitgeberverband Lüneburg-Nordostniedersachsen e. V.
Schule Wirtschaft & Öffentlichkeitsarbeit
Renate Peters
Stadtkoppel 12
21339 Lüneburg
04131 87212-22
www.arbeitgeberverbandlueneburg.de
rpeters@av-lueneburg.de

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