Arbeitgeber-Präsident sieht Vereinheitlichung der Ausbildungsvergütung kritisch | salzsau-panorama.de
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Arbeitgeber-Präsident sieht Vereinheitlichung der Ausbildungsvergütung kritisch

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) definiert mit dem Entwurf des Berufsbildungsmodernisierungsgesetzes unter anderem die Eckpunkte einer bundesweiten Mindestausbildungsvergütung (MiAV), deren Einführung im Koalitionsvertrag vereinbart wurde. Tatsächlich bestehen zwischen einzelnen Branchen und Regionen deutliche Unterschiede. So betrug die durchschnittliche tarifliche Ausbildungsvergütung in 2017 laut dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) 799 Euro in Westdeutschland und 748 Euro in Ostdeutschland. In einigen Berufen und Regionen liegen die Ausbildungsvergütungen entsprechend dem übrigen Lohn- und Gehaltsniveau in diesen Branchen allerdings bei 325 bis 400 Euro monatlich, so zum Beispiel im Friseur- oder Fleischerhandwerk. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek will die Entlohnung an das Schüler-BAföG und den dortigen Satz für auswärts wohnende Schüler koppeln; demnach soll die Ausbildungsvergütung im ersten Jahr mindestens 504 Euro monatlich betragen.

Heiko A. Westermann, Präsident des Arbeitgeberverbandes Lüneburg – Nordostniedersachsen e.V. fordert deshalb für die MiAVV ein Modell, das auch jene Branchen und Tarifbereiche im Blick behält, die über eine weniger stark ausgeprägte Wirtschaftskraft verfügen: „Es ist unbestritten, dass Auszubildende eine angemessene Bezahlung erhalten sollen. Bisher war es jedoch die Aufgabe der Sozialpartner in Tarifverträgen, zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften über die Höhe von Ausbildungsvergütungen zu entscheiden. So haben aktuell die DGB-Gewerkschaften Ausbildungsvergütungen von 420 Euro für das Friseur-, oder Konditoren-Handwerk vereinbart. Berücksichtigt wurden dabei sowohl die Wirtschaftskraft der Betriebe in den Branchen und Regionen, als auch die betrieblichen Leistungen der Azubis. Eine gesetzlich vorgegebene Vergütung zweifelt die Kompetenz der Sozialpartner an“, so der Verbandspräsident.

Die Simulationsrechnungen des BiBB machen deutlich, wer von der Erhöhung der Ausbildungsvergütung in erster Linie betroffen wäre. „Vor allem Handwerksbetriebe, kleine Unternehmen und Betriebe in Ostdeutschland müssten mit einem Anstieg der Nettokosten um mehr als 30% rechnen“, betont Westermann.

Für ihn stellt die MiAV folglich keine Patentlösung dar, um die duale Ausbildung attraktiver zu machen. In den meisten Ausbildungsberufen lägen die tariflich ausgehandelten Ausbildungsvergütungen ohnehin bereits über der geplanten Mindestgrenze, formuliert er zusammenfassend. Auch sei diese in den letzten Jahren in Deutschland durchschnittlich deutlich stärker gestiegen, als die tariflichen Löhne und Gehälter. Zudem ist aus Sicht von Westermann bei der Kopplung der MiAV an das Schüler-BAföG zu berücksichtigen, dass 70 % der Auszubildenden bei ihren Eltern wohnen, so dass der hier bestehende Fördersatz in gleicher Weise bei der Berechnung der MiAV zu berücksichtigen ist.

Text: ©AV-Lüneburg

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