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Panasonic bildet Flüchtlinge aus

2018-02-16T11:48:12+02:0027. September 2017|Kategorien: Wirtschaft|Tags: , , |0 Kommentare

Seit dem Jahr 2015 sind viele Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen.

Wenn Sie ihren Asylantrag gestellt haben, müssen sie teilweise mehrere Monate auf ihre Aufenthaltsgenehmigung warten. Dieses Warten kann die Menschen belasten. Aber auch wenn die Aufenthaltsgenehmigung erteilt ist, heißt dies noch lange nicht, das die Flüchtlinge im neuen Leben ankommen dürfen.

Mit dem Beginn der Flüchtlingswelle vor 2 Jahren stellt sich die Frage, wie Integration kulturell und gesellschaftlich gelingen kann. Ein Schulabschluss oder eine Ausbildung gehören zur Integration dazu. Doch auch wenn bei letzterem viele Unternehmen bereit sind, Engagement zu zeigen, steht nicht selten die Frage im Raum, ob der betreuerische Mehraufwand für das einzelne Unternehmen auch leistbar ist.

Zu den Firmen, die in dieser Hinsicht schon Erfahrungen gesammelt haben, gehört die Firma Panasonic Industrial Devices Europe GmbH aus Lüneburg.

Die Firma hat zusätzliche Ausbildungsplätze bereitgestellt, um Flüchtlingen die Integration zu erleichtern.

Schnelle Fortschritte beim erlernen der deutschen Sprache

13 Asylsuchende konnten nach Gesprächen mit Arbeitgeberverband und Arbeitsagentur einen Schnuppertag besuchen. Mit Alaeddin Khalil Abu Rashed (26) und Ramyar Fathi (33), beides Abiturienten, traten zwei von ihnen ein dreimonatiges Praktikum an.

Schon nach kurzer Zeit trug das Engagement der Firma Früchte. Der Wortschatz der beiden hatte sich deutlich erweitert, wie Daniela Dorn – Sachbearbeiterin Personalwesen bei Panaosnic – sich erinnert. Rashed hatte in Syrien ein paar Semester Wirtschaft und Rechnungswesen studiert, Fathi im Iran als Elektriker gearbeitet.

Für Harry Fercho, Kaufmännischer Leiter der Lüneburger Firma, eine Basis auf der sich aufbauen ließ. Das man den beiden jungen Flüchtlingen den Eintritt in das Berufsleben ermöglicht hat, mag auch an der naiven Herangehensweise des Unternehmens gelegen haben, wie Fercho rückblickend sinniert.

Aber man könne, so der Kaufmännische Leiter, nicht warten, bis die Rahmenbedingungen perfekt sind. Im Gegenteil: Man müsse nach individuellen Lösungen suchen, um Integration umzusetzen.

Ramyar Fathi ist seit 2016 Auszubildender im Bereich Elektroniker für Geräte und Systeme. Rashed hätte die Kaufmännische Laufbahn einschlagen können, doch er entschied sich für ein duales Studium. Dieses musste der Syrer allerdings wieder abbrechen, da seine schriftlichen Kenntnisse für die Materie nicht ausreichten. Mit weiteren Sprachkursen, die ihm sein Arbeitgeber ermöglicht, versucht er nun, die Defizite auszugleichen. Man möchte damit verhindern, das er die Ausbildung vorzeitig abbricht.

Ein Mangel in den Augen Ferchos liegt darin, das den Flüchtlingen in den Integrationskursen nicht die Möglichkeiten des deutschen Bildungssystems aufgezeigt werden. Für viele Flüchtlinge hat die akademische Laufbahn eine höhere Wertigkeit. In den Herkunftsländern der Asylsuchenden ist das deutsche Ausbildungssystem nicht bekannt.

Bei dem Unternehmen im Lüneburger Industriegebiet Hafen arbeiten Menschen aus 14 Nationen. Sie unterstützen die Firma in ihrem Vorhaben, was Fercho freut. Denn ohne die Kollegen wäre das nicht machbar. Und die beiden neuen haben sich gut in ihre Teams integriert.

Für den Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Lüneburg-Nordostniedersachsen, Bernd Wiechel ist aber noch nicht endgültig klar, ob die Flüchtlinge die hier nun eine Ausbildung absolvieren auch die Mitarbeiter von morgen sein werden.

Unternehmen brauchen hohes Maß an Eigeninitiative

Dies, so Wiechel, hänge von vielen Faktoren ab. Ein Aspekt sei die Bleibeberechtigung. Aber auch das Engagement und die Qualifikation des Einzelnen spielen hierbei eine zentrale Rolle.

Fest steht für den Arbeitgebervertreter aber eines definitiv: Sowohl Arbeitgeber als auch die Gesellschaft sollten ein großes Interesse daran haben, das die Flüchtlinge gut integriert werden.

Die beiden Panasonic-Azubis jedenfalls werden die gleichen Chancen haben, übernommen zu werden, wie ihre 23 deutschen Kollegen.

Für Daniela Dorn haben die in dem zurückliegenden Jahr gemachten Erfahrungen einen überaus positiven Tenor. Dennoch warnt sie davor, den organisatorischen Aufwand zu unterschätzen. Denn die Unternehmen müssen noch immer ein hohes Maß an Eigeninitiative leisten – vor allem im Hinblick auf die Sprachförderung. Hier müsste das Angebot dringend ausgebaut werden.

Die Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur und dem Jobcenter sei sehr gut, trotz der lückenhaften Infrastruktur. In beiden Ämtern habe man verlässliche Partner gefunden, die in dem Prozess beratend und begleitend zur Seite stünden, so der kaufmännische Leiter Fercho.

Nicht nachdenken, einfach machen

Mit diesen Worten möchte er Firmen, die noch zögern, Flüchtlingen Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen, zur Nachahmung animieren. Denn niemand wird im Vorwege alle Unwegsamkeiten ausschalten können.

Wer als Unternehmen Praktikums- oder Ausbildungsplätze für Flüchtlinge anbieten möchte, kann sich an den Arbeitgeberservice von Arbeitsagentur bzw. Jobcenter wenden.

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