Großer Schock für die Angehörigen von Karl S., der im Mai 2014 getötet und verbrannt in einem Wäldchen in Kaltenmoor aufgefunden wurde: Die Täter werden für den mutmaßlichen Mord und die anschließende Verbrennung des Opfers nicht zur Rechenschaft gezogen. Die Staatsanwaltschaft hatte für einen der Täter wegen versuchten Raubs drei Jahre und zwei Monate gefordert, für den Hauptangeklagten 15 Jahre wegen Totschlags

Die Nebenklage hatte eine Mindeststrafe von 10 Jahren aufgrund von Mittäterschaft und Unterlassen gefordert, da beide S. noch hätten helfen können. Die Verteidiger der beiden bereits seit einiger Zeit aus der Untersuchungshaft entlassenen Angeklagten hatten auf Freispruch plädiert.

Viele Frage – keine Antworten

Der Vorsitzende Richter der 4. Großen Strafkammer begründete das Urteil damit, das viele wichtige Fragen zum Tathergang nicht hätten geklärt werden können. So hätte man nicht klären können, wer an dem Verbrechen beteiligt war, wie die Tat abgelaufen ist und wann was passierte.

Viele Zeugen hätten mehr erzählt als sie gewusst hätten, andere hingegen erzählten weniger über das, wovon sie Kenntnis hätten.

Auch sei nicht mit absoluter Sicherheit zu klären, ob die Wohnung des Opfers, in der sich zur vermeintlichen Tatzeit zudem weitere Personen aufgehalten hätten, der Tatort sei. Zwar wurden Blutspuren des Opfers gefunden, aber laut dem Gericht zu wenig für einen Tatort nach dem anzunehmenden Tatverlauf. Das Opfer müsse schon außerhalb der Wohnung mehrere Liter Blut verloren haben, bevor es noch einmal in die Wohnung gelangte.

Zeugen wussten entweder zu viel oder zu wenig

Trotz dessen, das das Duo für den Mord und die anschließende Verbrennung des Opfers nicht verurteilt wurde, kommen die Männer nicht auf freien Fuß.

Das Gericht verurteilte einen der Angeklagten zu einem Jahr Freiheitsstrafe wegen versuchten Raubes, den Hauptangeklagten wegen vorsätzlicher Körperverletzung und versuchter Nötigung zu 15 Monaten Haft. Damit sühnte das Gericht Angriffe der beiden Angeklagten auf das Opfer, die wenige Wochen vor dem jetzt verhandelten Mord geschahen.

Beide Verurteilten werden in einer psychiatrischen Entziehungsanstalt untergebracht